Start  »  Bildung

Bildung in Interkulturellen Gärten

Interkulturelle Gärten sind ausgezeichnete Orte für Umweltbildung. Hier treffen verschiedene kulturell geformte Weisen des Naturzugangs aufeinander und hier werden umweltfreundliche Traditionen und verschüttetes Subsistenzwissen reaktiviert. Die GärtnerInnen erinnern sich an Mütter, die Pflanzenmedizin herstellten, oder an Onkel, die als Imker wirkten. Positive Naturerlebnisse und Verknüpfungen mit der eigenen Biographie spielen für die Motivation zu Umweltschutz und nachhaltiger Lebensweise eine wichtige Rolle.
Interkulturelle Umweltbildung setzt bei den Wissensbeständen und Kompetenzen an, die die GärtnerInnen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte mitbringen und die für nachhaltigkeitsrelevante Themenbereiche gewinnbringend eingesetzt werden können.

Im Feld der Umweltbildung ist derzeit ein Paradigmenwechsel zu verzeichnen, der jedoch erst zögerlich von einer konsequenten interkulturellen Öffnung begleitet wird. Gleichzeitig wird das interkulturelle Wissens-"Labor" längst gelebt. Die Wissensströme verlaufen jedoch höchst einseitig. Damit liegt ein großes Potenzial der Migrationsgesellschaft brach: das Eigene mit anderen Augen sehen zu lernen, Neugier zu wecken, Neuem eine Chance zu geben und etwas zu wagen. All dies ist dann am besten möglich, wenn mit neuen Lernformen experimentiert wird. So verstanden ist interkulturelle Umweltbildung keine "exotische Nische" innerhalb der Umweltbildung, die im Kern als ein "weißes" Experten-Vorhaben unangetastet bleibt, sondern ein mehrperspektivisches demokratisches Vorhaben, das alle gleichermaßen angeht.

Mit „Lebendiger Boden – lebendige Vielfalt. Die grüne Sprache der Völker“1) setzten die Internationalen Gärten Göttingen 2001 erstmals ein selbst entwickeltes interkulturelles Umweltbildungskonzept um, das um die Vielfalt kulturspezifischer und biographischer Zugänge zu Natur kreiste. Dafür erhielten sie vom Bundesumweltministerium eine Förderung. Interkulturelle Vielfalt im Gemüsebeet hiess das partizipative Umweltprojekt im Interkulturellen Bewohnergarten ZAK e.V. (Zusammen aktiv in Neuperlach) in München-Neuperlach. Entstanden ist ein attraktiver Gartenkalender mit vielen Infos und Rezepten.
Heute finden in Interkulturellen Gärten Bildungsaktivitäten zu unterschiedlichsten Themen statt: Saatgutvermehrung, Bienenhaltung, Einkochen sowie Ernährung und Gesundheit.

Die Stiftung Interkultur fördert diese Aktivitäten mit dezidiert interkulturellen Bildungszielen.

Interkulturelle Gärten sind Lernorte….

  • gegenseitiger Befähigung: Bergung und ressourcenorientierter Einsatz der vorhandenen Kompetenzen,
  • für Identitäts-Rekonstruktion: Neuverortung in vertrauten Handlungsrahmen (wie z.B. Kultur der Gastlichkeit),
  • der Naturerfahrung: Arbeit mit Natur als Ausgangspunkt für Wissensvermittlung und Erfahrungstransfer sowie für ökologische Sensibilisierung,
  • für Gestaltungskompetenz und für den Umgang mit kultureller Differenz.


1)
ausführlich dokumentiert in: Christa Müller: Wurzeln schlagen in der Fremde, oekom Verlag, München 2002




 
Deutschkurs im Garten

najeha

flyer